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Wo lauert die Ansteckungsgefahr?

Das CovidSim-Team (Foto: Christiane Taddigs-Hirsch)
Das CovidSim-Team (Foto: Christiane Taddigs-Hirsch)

[24|03|2021]

Kleinräumige Infektionsgeschehen simulieren

 

Maßnahmen zum Infektionsschutz vor Covid-19 basieren bisher auf allgemeinen Simulationen. Doch wo lauert die Ansteckungsgefahr wirklich? Prof. Dr. Gerta Köster und ihr Forschungsteam von der Hochschule München entwickeln in CovidSim Simulationen für genau diese kleinräumigen Situationen. "Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, gefährliche von weniger gefährlichen Situationen zu unterscheiden. Politische Maßnahmen könnten dann lokal ergriffen und den Bürgern via 3D-Animationen plausibel gemacht werden", sagt Köster, Professorin an der Fakultät für Informatik und Mathematik.

 

Fußgängerverhalten mit Ansteckungsgeschehen simulieren

Das Forschungsprojekt CovidSim basiert auf mikroskopischen Fußgängermodellen: Diese bilden die Bewegungen der Menschen als die einzelner Agenten ab. Das Forschungsteam entwickelte bereits einen frei zugänglichen Simulator für Personenströme: Vadere. Doch um Ansteckungssituationen in der Simulation mit abzubilden, muss Vadere um ein Modell für den lokalen Ansteckungsprozess ergänzt werden. Dieses orientiert sich an sogenannten SIR-Infektionsmodellen. SIR-Modelle unterscheiden den Zustand von gesunden (susceptible), ansteckenden (infected) und genesenen (recovered) Einzelagenten, die unterschiedlich markiert sind. Für die in CovidSim untersuchten Zeiträume spielen nur gesunde und ansteckende Akteure eine Rolle.

 

Das Ansteckungsgeschehen wird im Durchlauf der Agenten durch die zwei Stadien zeitlich und räumlich sichtbar gemacht. Psychologen und Psychologinnen des Beratungsbüros Team HF bringen dafür ihre sozialpsychologischen Erkenntnisse zum Verhalten der Menschen beim Abstandhalten sowie medizinische Kenntnisse zu lokalen Ansteckungsprozessen in das Projekt ein.

 

Maßnahmen durchspielen und kommunizieren

Das Ingenieurbüro accu:rate ist ein weiterer Kooperationspartner des Projekts, der die Anwendbarkeit bereits während des Forschungsprozesses sichert und die Ergebnisse von Vadere bereits laufend im kommerziellen Bereich der Personenstromanalyse einsetzt. Ziel von CovidSim ist es, die Ergebnisse in einer Form darzustellen, dass Bürger diese verstehen und vorgeschlagene politische Maßnahmen besser akzeptieren können – beispielsweise als Grafiken oder 3D-Animationen in der Corona App. Diese Art der Kommunikation ist selbst Forschungsgegenstand von CovidSim. Durch kleinräumige Ansteckungsszenarien könnten anstatt globaler Maßnahmen effektive, lokale Schutzmaßnahmen getroffen werden.

 

 

Christiane Taddigs-Hirsch

Julia Blabl